Annaberger Zeitung
"Großes persönliches, meist ehrenamtliches Engagement"
Einstiger Leiter der Oberwiesenthaler Sportschule fordert "Vergebung" für ehemalige Stasi-IM, die nach 1990 im Wintersport aktiv mitwirkten
Annaberg-Buchholz/Oberwiesenthal. Nach der kontrovers diskutierten öffentlichen Veranstaltung zum Einfluss der DDR-Staatssicherheit auf den Hochleistungswintersport in Oberwiesenthal hat sich jetzt der einstige Leiter der dortigen Sport-Eliteschule, Manfred Kattermann, zu Wort gemeldet.
"Aus mehrjähriger Erfahrung als Schulleiter weiß ich, dass einzelne der einstigen Inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi nach 1990 mit großem persönlichen, zumeist ehrenamtlichem Engagement konstruktiv für den Erhalt und die Entwicklung des Hochleistungswintersports gewirkt haben und wirken", sagte Kattermann, der die Sportschule von 1991 bis 2001 geleitet hatte. Dieses Wirken sollte für eine gesellschaftliche "Vergebung" nicht unbedeutsam sein, meinte er.
Der langjährige Pädagoge und Annaberg-Buchholzer Stadtrat reagierte damit auf eine Forderung des einstigen Nordischen Kombinierers Claus Tuchscherer, der sich 1976 bei den olympischen Spielen in Innsbruck von der DDR-Nationalmannschaft abgesetzt hatte.
Der heute in Österreich lebende 55-Jährige hatte bei dem Forum im voll besetzten Haus des Gastes "Erzhammer" geäußert, vor einer Vergebung für ehemalige Stasi-IM müsse von diesen Buße abgefordert werden dürfen. Im Laufe der Veranstaltung waren mehrere frühere Inoffizielle Mitarbeiter aus dem Umfeld des einstigen SC Traktor Oberwiesenthal mit ihren damaligen Tarn- und ihren richtigen Namen genannt worden.
Als "nachvollziehbar" bezeichnete Kattermann, dass der langjährige Skilanglauf-Trainer Heinz Nestler die Veranstaltung bereits vor Beginn der öffentlichen Diskussion verlassen hatte. "Ein Forum, bei dem Stehgreif-Auffassungen vom "Hosianna" bis zum "Kreuzigt ihn!" zu erwarten seien, könne nicht das Gremium für eine objektive Sachdiskussion sein, begründete er seine Meinung.
Nestler, den der Hauptreferent des Forums mit staatlich organisierten Doping-Praktiken in der DDR in Verbindung brachte, war bereits zu Beginn der Veranstaltung von ihm nachdrücklich aufgefordert worden, sich an diesem Abend öffentlich zu äußern.
Von Michael Müller
Erschienen am 08.02.2010
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